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Verfasst von rolf koestner am 02. Januar 2006 12:45 (IP gespeichert)

Beim Bau der Staatsbahn von Oldenburg i. Oldbg. nach Leer, war die Gemeinde Edewecht leer ausgegangen da besagte Strecke über Zwischenahn geführt wurde. So entschloss man sich, eine Anschlussbahn zum Bf Zwischenahn zu bauen, was auch mit Mitteln des Staates Oldenburg finanziell gefördert wurde. Es entstand eine sieben Kilometerlange normalspurige Strecke, die am 15. Dezember 1912 eröffnet wurde. Die Betriebsführung oblag in den ersten Jahren der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (G.O.E – böse Zungen behaupteten damals, das wäre die Abkürzung für „Ganz Ohne Eile“). Am 01. Oktober 1920 wurde die Strecke um knapp 6 Kilometer bis zum Edewechter Damm am Küstenkanal verlängert, wo sich umfangreiche Torfverladeanlagen befanden. Ebenfalls 1920 ging die Betriebsführung an die neu gegründete Deutsche Reichsbahn über und folgerichtig war ab 1949 die Deutsche Bundesbahn für die Betriebsführung zuständig. 1950 wurde zunächst der Personenzugverkehr auf der Kleinbahn eingestellt.
Obwohl die Betriebsführung bei den Staatsbahnen lag, besaß die Kleinbahn Edewecht – Bad Zwischenahn eigene Lokomotiven. Zur Grundausstattung der Bahn gehörte die B n2t „Edewecht 1“, die 1913 mit der Fabriknummer 6798 bei Hanomag gebaut worden war. Sie kam Lok 3 „Münsterland“ 1928zur Kleinbahn Vechta-Cloppenburg. 1918 erwarb man von der G.O.E die bereits 1890 bei der Lokfabrik Hohenzollern mit der Fabriknummer 580 gebaute Lok 84 „Tide“, ebenfalls eine B n2t, die bei der Kleinbahn die Nummer 2 „Zwischenahn“ erhielt. Sie wurde 1925 ausgemustert. Dafür erwarb man bei Jung eine C 1’ h2t, die zunächst mit Torffeuerung betrieben wurde, was ja auch nahe lag, war doch dieser Brennstoff vor Ort in Hülle und Fülle vorhanden. Sie erhielt die Bezeichnung „Edewecht 3“. Allerdings baute man die Lok 1938 zunächst auf Kohlefeuerung um, und 1948 in eine Nassdampflok (C 1’ n2t). 1959 ging sie an die Fa. Reuschling, Hattingen. Vierte im Bunde der Dampflokomotiven war schließlich die „Ammerland 4“, bei der es sich um eine 1’ C n2t handelte, die 1915 unter der Fabriknummer 13575 bei Henschel für die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (MFFE, Nr. 773) gebaut worden war. Sie wurde im August 1933 bei der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft als 91 1933 ausgemustert und gelangte erst 1935 nach Edewecht. Auch sie wurde 1959 an die Firma Reuschling verkauft.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kleinbahn bei Jung (1958/12991) eine Diesellok vom Typ R 30 C fabrikneu erworben und als „Edewecht 2“ eingestellt. Mit ihr wurde in der Folgezeit der Güterverkehr abgewickelt.
Lok Edewecht 2 am 28. August 1986 am Edewechter Damm:


Und am 18. Januar 1991 im Bf Edewecht:


1977 übernahm dann die Kleinbahn Bad Zwischenahn – Edewechterdamm die Betriebsführung in eigener Regie.
1986 sollte es soweit sein. Schon lange hatte ich mit einem Besuch bei dieser Kleinbahn geliebäugelt. Allerdings waren Fahrzeiten und Anreise recht schwierig unter einen Hut zu bekommen. So fuhr die Lok am frühen Morgen nach Bad Zwischenahn, um dort Wagen abzuholen. Diese brachte sie dann nach Edewechter Damm, wo sie gegen 10.00 Uhr eintraf. Dort wurden wieder Wagen übernommen, mit denen es anschließend nach Edewecht zurück ging, wo die Lok erst einmal im Schuppen verschwand, um am Nachmittag die Wagen nach Bad Zwischenahn zu bringen. Ende August 1986 war ich mit einer Bezirkskarte im nordwestdeutschen Raum unterwegs. In dieser Woche waren Zug und Fahrrad die benötigten Verkehrsmittel. Zunächst ging es mit dem Zug bis Sandkrug und von dort mit dem Fahrrad entlang des Küstenkanals Richtung Edewecht. Ein für diese Jahreszeit recht kräftiger Westwind, machte mir jedoch zu schaffen, so dass ich nur langsam vorwärts kam. Gerade in Edewecht angekommen machte sich Lok „Edewecht 2“ auf den Weg zum Edewechter Damm:


Dort angekommen, wurden erst einmal die Wagen verteilt und sodann beladene Wagen übernommen:


Hier geht es nun zurück Richtung Edewecht:

Hier ist die Edewecht 2 kurz vor der Brücke über den Küstenkanal unterwegs:



Nun geht es fast schnurgerade entlang eines Weges nach Edewecht:


Der Bahnhof Edewecht ist erreicht:


Die Lok drückt die Wagen zurück in den Bahnhof:


Nun ist für Lok und Personal erst einmal Ruhe angesagt. Dazu geht es in den heimatlichen Schuppen:




Damit endete an diesem Tag mein Besuch bei der Kleinbahn Bad Zwischenahn-Edewecht. Anschließend ging es mit dem Zug über Delmenhorst nach Berne und von dort mit Fahrrad und Fähre nach Farge zur Farge-Vegesacker Eisenbahn.
Obwohl der Güterverkehr auch in der Folgezeit noch recht rege war (1989 = 37.800 to) hing das Damoklesschwert in Form einer Umgehungsstraße schon über der bahn. 1991 sollte Schluss sein. Daher fuhren wir am Nachmittag des 18. Januar 1991 noch einmal mit dem PKW nach Edewecht. Unterwegs mussten wir ein paar Mal stoppen, da fast in jeder Stadt eine Friedensdemonstration stattfand. Am Tag zuvor hatten die multinationalen Truppen unter Führung der USA den Golfkrieg mit Angriffen auf den Irak und auf Kuwait begonnen.
Trotzdem kamen wir noch mehr als rechtzeitig an.

Im Bf Edewecht stand Lok Edewecht 2 mit einem Güterwagen im fahlen Sonnenlicht eines kalten Januartages an der Laderampe:





Bald darauf machte sie sich mit dem nachmittäglichen Güterzug auf den Weg nach bad Zwischenahn. Hier hat sie die Edewechter Peripherie entlang eines Entwässerungsgraben erreicht:


Bei der Einfahrt in den Bf Bad Zwischenahn steht die Sonne schon so tief über dem Horizont, dass sie lange Schatten wirft, die die Lok schon teilweise bedecken:


Noch im selben Jahr endete der Betrieb im Ammerland. Die Lok gelangte zunächst am 18. Januar 1992 zur Ahaus-Alstätter-Eisenbahn, wo sie als „Alstätte 1“ bezeichnet wurde. Dazu in Kürze mehr.


Bis neulich in diesem Forum

Rolf Köstner



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